Resilienz: Wachstum durch Widrigkeiten
Resilienz ist mehr als nur die Fähigkeit, nach einem Rückschlag wieder aufzustehen. Forschungen zeigen, dass adversen Erfahrungen nicht nur zu Erholung, sondern auch zu tiefgreifendem inneren Wachstum führen können. Doch wie genau geschieht das? Wie kann es gelingen, eine Krise nicht als unüberwindbares Hindernis, sondern als Möglichkeit zur Weiterentwicklung zu nutzen? Viktor Frankls Logotherapie bietet auf diese Fragen wertvolle Antworten.

Die menschliche Fähigkeit zum Wachstum nach Widrigkeiten
In unserer Gesellschaft wird oft die Vorstellung vermittelt, dass das Streben nach dauerhaftem Glück das ultimative Ziel sei. Doch das Leben konfrontiert uns unweigerlich mit Leid, Schuld und Vergänglichkeit – Aspekte, die Frankl als die „Tragische Triade“ beschreibt. Wenn wir nicht darauf vorbereitet sind, kann dies zu Orientierungslosigkeit und Verzweiflung führen. Ein bewusster Umgang mit Widrigkeiten ist deshalb entscheidend.
Das ist nicht nur meine Erfahrung. Das Yale Center for Emotional Intelligence führte eine Studie mit 15.000 Mitarbeiter*innen in den USA durch und stellte fest: „Wenn Führungskräfte die Emotionen ihrer Mitarbeiter anerkennen – und ihre eigenen Emotionen managen – profitiert der gesamte Arbeitsplatz.“
Warum? Weil es genau diese sogenannten Soft Skills sind, die es Menschen ermöglichen, harte Dinge zu meistern: schwierige Gespräche führen, konstruktives Feedback geben und annehmen, ehrlich reflektieren, inspirieren und auf eine Weise unterstützen, die dem Team und der Organisation dient.
Vom „Zurückspringen“ zum Wachstum
Traditionell wurde Resilienz als die Fähigkeit verstanden, nach einer Krise in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren („bounce back“). Doch nach vier Jahren intensiver Auseinandersetzung mit dieser Thematik stelle ich mir die Frage, ob es überhaupt einen „inneren Ort“ oder Zustand gibt, zu dem man nach Widrigkeiten zurückkehren kann. Denn schwierige Erfahrungen verändern uns – die entscheidende Frage ist also nicht, ob wir zurückkehren können, sondern wie sie uns verändern. Neuere Forschung zeigt, dass es eine noch wertvollere Möglichkeit gibt: Wachstum durch Widrigkeiten („Post-Traumatic Growth“, PTG). Tedeschi und Calhoun (1995) identifizierten fünf zentrale Bereiche, in denen Menschen nach herausfordernden Erfahrungen wachsen können:
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Neue Wertschätzung des Lebens
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Gestärktes persönliches Wachstum
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Vertiefte zwischenmenschliche Beziehungen
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Spirituelles Wachstum
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Entdeckung neuer Lebenswege und -ziele
Traditionell wurde Resilienz als die Fähigkeit verstanden, nach einer Krise in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren („bounce back“). Nach vier Jahren intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik, frage ich mich, ob es überhaupt einen „inner Ort“ oder Zustand gibt, zu dem man nach Widrigkeiten zurückkehren kann. Weil schwierige Erfahrung uns verändern, besteht die Frage des WIE. Wie verändern sie uns, und was können wir tun, wie neuere Forschung zeigen, dass es eine noch wertvollere Möglichkeit gibt: Wachstum durch Widrigkeiten („Post-Traumatic Growth“, PTG). Tedeschi und Calhoun (1995) identifizierten fünf zentrale Bereiche, in denen Menschen nach herausfordernden Erfahrungen wachsen:
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Neue Wertschätzung des Lebens
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Gestärktes persönliches Wachstum
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Vertiefte zwischenmenschliche Beziehungen
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Spirituelles Wachstum
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Entdeckung neuer Lebenswege und -ziele
Wie entsteht Wachstum nach einer Krise?
- Welche Faktoren beeinflussen, ob jemand nach einer Krise nicht nur weiterlebt, sondern auch daran wächst? Aus meiner Literaturrecherche und eigenen qualitativen Untersuchungen habe ich folgende Schlüsselfaktoren herausgearbeitet:
- Selbstfürsorge und Bewegung: Körperliche und emotionale Gesundheit sind essenziell.
- Emotionsverarbeitung mit Bewusstsein und Akzeptanz: Gefühle zuzulassen, statt sie zu unterdrücken.
- Geisteshaltung: Herausforderungen mit einer realistischen, aber hoffnungsvollen Perspektive begegnen.
- Unterstützende soziale Beziehungen: Ein starkes Netzwerk fördert Resilienz.
- Werte und Spiritualität: Die Orientierung an persönlichen Werten gibt Halt.
- Sinnfindung: Reflexion, Philosophie oder Spiritualität helfen, Herausforderungen zu integrieren.
- Humor und Leichtigkeit: Selbst in schwierigen Zeiten können wir Humor als Bewältigungsstrategie nutzen.
- Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit: Aktives Gestalten der persönlichen Entwicklung.
Fazit: Resilienz ist nicht nur ein Stärker werden, sondern persönliches Wachstum durch Widrigkeiten
Krisen und Herausforderungen sind unvermeidlicher Bestandteil des Lebens. Doch wie wir mit ihnen umgehen, entscheidet darüber, ob sie uns schwächen oder wachsen lassen. Indem wir bewusste Strategien entwickeln und Ressourcen nutzen, können wir den Weg von der Krise hin zu einem gestärkten Selbst gehen. Wachstum nach Widrigkeiten ist nicht nur möglich – es ist ein zutiefst menschliches Potenzial.

Sarah Toussaint
Sarah Toussaint ist zertifizierte Trainerin für Achtsamkeit, emotionale Intelligenz und Leadership sowie psychologische Beraterin nach Viktor Frankl. Mit Leidenschaft inspiriert und lehrt sie Menschen in individuellem Coaching in ihrer privaten Praxis sowie durch Vorträge, Seminare und Workshops.
Sarah lebt in Freiburg und teilt ihre Zeit zwischen ihrer privaten Praxis und ihren Workshops und Seminaren vor Ort beim Kunden.

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Sarah Toussaint
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